Fünf Monate lang mit dem Rucksack durch Bolivien, Peru und Kolumbien – das war der Plan. Was daraus wurde, war ein Abenteuer voller beeindruckender Landschaften, unerwarteter Begegnungen und unvergesslicher Momente.
Los dos Mochilocos, zwei verrückte Rucksäcke unterwegs durch Südamerika.
Unsere Reise begann in Santa Cruz de la Sierra, im tropischen Tiefland Boliviens. Von dort führte uns der Weg über das entspannte Samaipata in die koloniale Schönheit von Sucre. Weiter ging es nach Potosí und Uyuni, wo uns die endlosen Weiten der Salar de Uyuni und die farbenprächtigen Lagunen sprachlos machten.
Doch das war erst der Anfang. Über Oruro reisten wir nach La Paz, tauchten im Dschungel rund um Rurrenabaque in eine völlig andere Welt ein und erreichten schliesslich den Titicacasee mit der sagenumwobenen Isla del Sol.
Jeder Ort hatte seine eigene Geschichte, jede Etappe ihre eigenen Herausforderungen und Höhepunkte. Aber alles der Reihe nach – beginnen wir dort, wo dieses Abenteuer seinen Anfang nahm: in Santa Cruz de la Sierra.
Santa Cruz de la Sierra
11.11.2025 - 13.11.2025
Santa Cruz begrüsste uns sonnig, trocken und vor allem heiss. So heiss, dass ich bei der Migration zum Abschied fröhlich „Bienvenido“ statt „Adiós“ sagte. Ja, mein Spanisch hatte noch reichlich Luft nach oben.
Trotzdem genossen wir unsere ersten beiden Nächte mitten im Gewusel der Grossstadt. Wir schlenderten über den Markt in Cotoca, entdeckten unser erstes Faultier und verbrachten einen entspannten Nachmittag im Botanischen Garten. Gleichzeitig merkten wir aber auch, dass uns die südamerikanische Kultur, der Verkehr und das hektische Treiben einer Millionenstadt zu Beginn etwas überforderten.
So zog es uns nach zwei Tagen voller neuer Eindrücke und mit grosser Vorfreude weiter nach Samaipata – ein kleines Bergdorf am Rand des Amboró-Nationalparks. Dort sollte unser Abenteuer erst richtig beginnen.
Samaipata
13.10.2025 - 16.10.2025
Nach rund drei Stunden Fahrt im Colectivo erreichten wir Samaipata. Die nächsten zwei Nächte verbrachten wir bei einem unglaublich herzlichen Gastgeberpaar, das uns die berühmte südamerikanische Gastfreundschaft vom ersten Moment an spüren liess.
Von Samaipata aus unternahmen wir zwei Wanderungen. Die erste führte uns auf einer geführten Tour in Richtung Amboró-Nationalpark, die zweite auf eigene Faust in die Region des «Codo de los Andes». Beide Ausflüge hinterliessen bleibenden Eindruck. Mit jedem Schritt wurde die Landschaft eindrucksvoller und die Natur schien immer ursprünglicher zu werden.
Wie in einem Bilderbuch öffneten sich vor uns die Ausläufer der Anden: grüne Hügel, tiefe Täler und spektakuläre Felsformationen, die sich bis zum Horizont erstreckten. Spätestens hier wurde uns klar, dass Bolivien landschaftlich weit mehr zu bieten hat, als wir uns vorgestellt hatten.
Sucre
16.10.2025 - 20.10.2025
Mit unserer ersten Nachtbusfahrt ging es weiter nach Sucre. Doch schon der Kauf der Tickets wurde zu einem kleinen Abenteuer.
Gemäss einigen Blogeinträgen suchten wir ein Restaurant auf, das angeblich Bustickets verkaufen sollte. Dort angekommen erwartete uns ein fast verlassen wirkendes Lokal mit einem älteren Ehepaar. Auf unsere Frage nach den Tickets nickten die beiden nur freundlich und erklärten, wir sollten auf ihre Sekretärin warten. Tatsächlich erschien wenig später eine Dame, verkaufte uns die Tickets und verschwand wieder. Obwohl wir nun stolze Besitzer von zwei Fahrkarten waren, blieben erhebliche Zweifel, ob das alles wirklich funktionieren würde.
Am Abend fanden wir uns zur vereinbarten Zeit wieder vor dem Restaurant ein. Dort hiess es zunächst warten. Und warten. Und noch etwas länger warten. Der Bus hatte natürlich Verspätung. Als er dann endlich auftauchte, musste plötzlich alles ganz schnell gehen. Rucksäcke verstauen, einsteigen und losfahren. Willkommen in Südamerika.
Trotz aller Zweifel verlief die Fahrt problemlos und am nächsten Morgen erreichten wir die wunderschöne weisse Kolonialstadt Sucre.
Doch auch dort wartete bereits das nächste Abenteuer. Ausgerechnet an diesem Wochenende fanden die Wahlen statt. In Bolivien bedeutet das: Am gesamten Wochenende darf kein Alkohol verkauft oder konsumiert werden, und am Wahltag gilt ein absolutes Fahrverbot für private Fahrzeuge. Auch der öffentliche Verkehr kommt an diesem Tag praktisch zum Erliegen.
Was zunächst nach einer Einschränkung klang, entpuppte sich als echtes Highlight. Die Strassen gehörten plötzlich den Menschen. Familien spazierten durch die Stadt, Kinder spielten auf den sonst stark befahrenen Strassen und überall herrschte eine entspannte Atmosphäre. Für einen Tag verwandelte sich Sucre in eine autofreie Oase – und wir konnten die wohl schönste Seite dieser ohnehin bezaubernden Stadt erleben.
Potosí
20.10.2025 - 22.10.2025
Nach fünf Tagen auf den noch angenehmen 2800 Metern von Sucre ging es weiter nach Potosí – einer Berg- und Minenstadt auf über 4000 Metern über Meer.
Schon bei unserer Ankunft wirkte die Stadt auf uns rau und irgendwie bedrückend. Kaum zu glauben, dass Potosí einst zu den reichsten Städten der Welt gehörte. Der Silberreichtum, der die Stadt einst berühmt machte, ist längst verblasst. Zwar wird im Cerro Rico noch heute Erz abgebaut, doch die Bedingungen für die Minenarbeiter sind erschütternd. Viele erkranken an der gefürchteten Staublunge, Unfälle gehören zum Alltag, und die Lebenserwartung liegt deutlich unter jener, die wir aus Europa kennen.
Trotz gemischter Gefühle entschieden wir uns für eine Führung durch die Minen. Eine Erfahrung, die uns noch lange in Erinnerung bleiben sollte. Die engen Stollen, die harte körperliche Arbeit und die Geschichten der Bergleute waren zugleich eindrücklich, beängstigend und augenöffnend. Selten wurde uns so bewusst, wie privilegiert unser eigenes Leben ist.
Potosí hätte sicherlich noch viel mehr zu bieten gehabt. Doch die Höhe machte uns zu schaffen. Die ersten Anzeichen der Höhenkrankheit hatten mich fest im Griff. Ich fühlte mich die meiste Zeit wie leicht angetrunken, dazu kamen Kopfschmerzen und eine ständige Müdigkeit.
Umso grösser war die Vorfreude auf unser nächstes Ziel: Uyuni. Mit seinen 3600 Metern über Meer klang es zumindest auf dem Papier fast schon wie Erholung.
Uyuni
22.10.2025 - 26.10.2025
Und tatsächlich: Bei unserer Ankunft in Uyuni waren die Symptome der Höhenkrankheit wie weggeblasen. Nach den Tagen in Potosí fühlten sich die 3600 Meter über Meer fast schon angenehm an.
Doch auch Uyuni hatte direkt das nächste Abenteuer für uns parat. Kaum angekommen, erfuhren wir, dass die Bewohner der Stadt ab 14 Uhr für 24 Stunden streiken würden. Restaurants, Geschäfte und öffentliche Büros sollten geschlossen bleiben. Für einen kurzen Moment machten wir uns Sorgen, ob wir überhaupt genügend Trinkwasser und Verpflegung für den nächsten Tag organisieren könnten.
Ganz so streng wurde der Streik dann aber doch nicht umgesetzt. Zwar blieben die meisten Läden offiziell geschlossen, doch vielerorts standen die Türen einen Spalt offen und Waren wurden diskret über die Gasse verkauft. Auch unsere geplante dreitägige Tour durch die Salzwüste und zu den Lagunen konnten wir problemlos buchen. Eine erste Lektion in bolivianischer Gelassenheit: Nicht alles wird so heiss gegessen, wie es angekündigt wird.
Nachdem wir die erste Nacht im staubigen Uyuni überstanden hatten, ging es endlich los auf die berühmte Tour durch den Salar de Uyuni. Und was soll man sagen? Die nächsten drei Tage machten uns schlicht sprachlos.
Die endlose Weite der Salzwüste, die tiefrote Laguna Colorada mit ihren Flamingos, dampfende Geysire im Hochland an der Grenze zu Chile und Landschaften, die eher an einen anderen Planeten als an die Erde erinnerten – ein Höhepunkt jagte den nächsten.
Dazu kamen mit Ivan ein hervorragender Guide und eine grossartige sechsköpfige Reisegruppe, mit der wir viele unvergessliche Momente teilen durften. Rückblickend war die Tour durch den Salar de Uyuni eines der absoluten Highlights unserer gesamten Reise und für uns ein Pflichtprogramm für jeden, der Bolivien besucht.
Oruro
26.10.2025 - 27.10.2025
Von Oruro hatten uns sowohl andere Reisende als auch zahlreiche Reiseblogs eher abgeraten. Da wir jedoch eine allzu lange Busfahrt vermeiden wollten und genügend Zeit hatten, beschlossen wir, uns selbst ein Bild von der Stadt zu machen und dort eine Nacht zu verbringen.
Rückblickend müssen wir zugeben: Die Warnungen waren nicht ganz unbegründet.
Mit der Gondelbahn zum Monumento a la Virgen del Socavón bekamen wir einen schönen Blick über die Stadt und die umliegende Hochebene. Trotzdem wollte der Funke nicht wirklich überspringen.
Oruro wirkte auf uns rau, hektisch und wenig einladend. Vielleicht lag es teilweise an unserem Airbnb, in dem ein hartnäckiger Kanalisationsgeruch durch die Räume zog. Doch nicht nur deshalb fühlten wir uns hier weniger wohl als an den bisherigen Stationen unserer Reise.
Zum ersten Mal hatten wir das Gefühl, dass wir nicht länger bleiben mussten, um noch mehr zu entdecken. Manchmal gehört auch das zum Reisen dazu: Orte kennenzulernen, die einen nicht begeistern. Und genau das machte die Vorfreude auf unser nächstes Ziel umso grösser.
La Paz
27.10.2025 - 31.10.2025
Und dann kam der Moment unserer Ankunft in La Paz. Was für eine Stadt.
Von El Alto aus führt die Strasse hinunter ins Tal, und plötzlich scheint der Blick nur noch aus Stadt zu bestehen. Häuser soweit das Auge reicht, die sich die Hänge hinaufziehen und jede freie Fläche ausfüllen. Und dahinter, fast unwirklich, die schneebedeckten Gipfel der Anden. Ein Anblick, den wir so schnell nicht vergessen werden.
Ein absolutes Highlight von La Paz ist das Teleférico-Netz, die Seilbahnen, welche die verschiedenen Stadtteile miteinander verbinden. Was ursprünglich als Verkehrsmittel gedacht ist, wurde für uns schnell zu einer der schönsten Möglichkeiten, die Stadt zu entdecken. Während man lautlos über die Dächer gleitet, eröffnet sich immer wieder ein neuer Blick auf das scheinbar endlose Häusermeer und die umliegenden Berge.
Doch nicht nur die Aussicht begeisterte uns. Trotz des Gewusels, des dichten Verkehrs und der allgegenwärtigen Hektik entwickelte La Paz schnell seinen ganz eigenen Charme. Die Stadt wirkt lebendig, authentisch und voller Kontraste.
Besonders überrascht hat uns, wie schnell man dem Trubel entkommen kann. Mit einem Colectivo oder Bus erreicht man in kurzer Zeit Wandergebiete direkt am Stadtrand. Ein Beispiel dafür ist das Valle de las Ánimas mit seinen eindrücklichen Felsformationen, die wie versteinerte Türme aus der Landschaft ragen und einen für einen Moment vergessen lassen, dass man sich eigentlich mitten in einer Millionenstadt befindet.
Rurrenabaque
31.10.2025 - 06.11.2025
Vor der Fahrt nach Rurrenabaque waren wir ziemlich nervös. Über kaum eine andere Strecke in Bolivien hatten wir so viele Horrorgeschichten gehört und gelesen. Die Strasse von La Paz in den Dschungel gilt als eine der anspruchsvollsten und gefährlichsten des Landes. Viele Reisende entscheiden sich deshalb für einen kurzen Flug statt für die lange Busfahrt.
Für uns war jedoch von Anfang an klar: Wenn möglich, wollen wir diese Reise auf dem Landweg erleben. Also buchten wir Tickets bei einem Busunternehmen, das in mehreren Reiseblogs als das Beste auf dieser Strecke empfohlen wurde.
Nun ja, ganz so luxuriös wie erhofft war die Fahrt dann doch nicht. Die Sitze waren teilweise in die Jahre gekommen, aus dem Motorraum drangen gelegentlich Geräusche, die wir lieber nicht genauer hinterfragen wollten, und die Fahrweise wirkte aus europäischer Sicht durchaus sportlich. Trotzdem gelang es uns, während der Nachtfahrt ein paar Stunden Schlaf zu finden, und nach rund zehn Stunden erreichten wir Rurrenabaque wohlbehalten.
Dort erwartete uns der nächste Kulturschock. Vom kühlen Klima der Anden wechselten wir innert weniger Stunden in die feucht-heisse Luft des bolivianischen Amazonasgebiets. Die Temperaturen, die Gerüche, die Vegetation – plötzlich fühlte sich alles völlig anders an. Es war, als wären wir in einem anderen Land angekommen.
In Rurre, wie der Ort von vielen genannt wird, starteten wir eine viertägige Tour: zwei Tage in den Pampas und zwei Tage tief im Dschungel Boliviens.
Und was sollen wir sagen? Es war spektakulär.
Den ersten Tag verbrachten wir auf dem Río Yacuma und übernachteten in einer Lodge mitten in der Natur. Schon dort zeigte sich die unglaubliche Tierwelt der Region. Kaimane, Affen, Capybaras, unzählige Vögel und vieles mehr liessen sich oft direkt vom Boot aus beobachten.
Am zweiten Tag ging es tiefer in den Dschungel zu einer lokalen Comunidad, wo wir einen Einblick in das Leben der Menschen vor Ort erhielten. Am dritten Tag wurde es dann richtig abenteuerlich. Mit Sack und Pack marschierten wir durch den Dschungel und verbrachten die Nacht mitten im Wald unter freiem Himmel.
Zum Glück mit Moskitonetz.
Unser Guide versicherte uns, dieses schütze nicht nur vor Moskitos, sondern auch vor Jaguaren. Ob das wirklich stimmt, wollten wir lieber nicht überprüfen.
Der vierte Tag stand ganz im Zeichen der Rückreise – und der langersehnten Dusche zurück in Rurrenabaque. Damit ging eines der aussergewöhnlichsten Abenteuer unserer Reise zu Ende. Es war wunderschön, faszinierend und manchmal auch ziemlich anstrengend. Vor allem aber hinterliess es Erinnerungen und Eindrücke, die uns noch lange begleiten werden.
Der nächste Halt wartete bereits: der Titicacasee.
Copacabana, Isla del Sol
06.11.2025 - 10.11.2025
Und dann war er endlich da: der Titicacasee. Der höchstgelegene schiffbare See der Welt. Auf über 3800 Metern über Meer liegt er eingebettet zwischen Bolivien und Peru und wirkt mit seiner gewaltigen Fläche eher wie ein Meer als wie ein See.
Nach einer Nacht in Copacabana setzten wir zur Isla del Sol über. Die Insel fühlte sich an wie eine kleine Welt für sich. Das Leben verläuft hier ruhiger, ursprünglicher und näher an der Natur. Umgeben vom tiefblauen Wasser des Sees und mit Blick auf die schneebedeckten Gipfel der Anden hätten wir uns kaum einen schöneren Ort für die letzten Tage in Bolivien vorstellen können.
Und wie es der Zufall wollte, trafen wir dort ein reisendes Pärchen wieder, das wir bereits auf unserer Tour in Rurrenabaque kennengelernt hatten. Es sollte nicht unser letztes gemeinsames Wiedersehen bleiben.
Zusammen erkundeten wir die Insel, wanderten über die alten Wege zwischen den Dörfern, begegneten den freundlichen Bewohnern und genossen frischen Fisch direkt aus dem Titicacasee. Als wäre das nicht schon genug gewesen, wurden wir am ersten Abend mit einem spektakulären Sonnenuntergang belohnt, der den Himmel und den See in warme Farben tauchte.
Nach zwei Nächten auf der Isla del Sol und einer weiteren Nacht in Copacabana hiess es schliesslich Abschied nehmen.
Chao Bolivia, hola Perú!
Ein unglaublicher Monat voller Abenteuer, Begegnungen und unvergesslicher Landschaften ging zu Ende. Doch wir wussten bereits: Das war erst der Anfang. Hinter der Grenze warteten neue Geschichten, neue Herausforderungen und ein weiteres Kapitel dieser Reise.